Kritik: atos trio

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Foto: Haberland

Nur Leidenschaft kann die Balance stören

Beethoven, Mozart, Korngold: Das Atos Trio begeisterte beim Musikverein Regensburg mit einem spannenden Programm.

Von Andreas Meixner, MZ


Regensburg. Wer einen intensiven Konzertabend eines Spitzen-Klaviertrios erleben wollte, war am Dienstag beim Musikverein Regensburg goldrichtig. Das Atos Trio war zu Gast, ein mittlerweile weltweit gefeiertes Klaviertrio vom Feinsten. Wobei: Die Vita im Konzertprogramm sparte nicht an dickem Eigenlob. Mehr Bescheidenheit wäre da sicher angemessener und auch sympathischer, zumal man sich mit so einer Lobhudelei schnell und ohne Not angreifbar macht. Die Musiker beginnen mit Mozarts Klaviertrio B-Dur, das keineswegs als Leichtgewicht daherkommt. Themenentwicklung und Durchführung sind alles andere als das Easy Listening, das man Mozart so gerne unterstellt. Die Gesichter von Annette von Hehn (Violine), Stefan Heinemeyer (Violoncello) und Thomas Hoppe (Klavier) zeugen von hoher Konzentration in den drei Sätzen, nichts will man dem Zufall überlassen. Und schon gar nicht will man offenbar den Eindruck von Routine vermitteln. Dynamisch ist alles minutiös geschliffen, die Technik außerhalb jeglicher Kritik.


Makellos – und fast unterkühlt


Das gilt auch für das furiose Klaviertrio op. 1 von Erich W. Korngold (1897-1957). Unglaublich, dass eine derart reife, anspruchsvolle und komplexe Partitur aus der Feder eines knapp 13-jährigen Knaben stammt. Der Stil ist immer noch melodisch und tonal, aber oftmals so wuchtig und expressiv, dass es einem den Atem verschlägt. Thomas Hoppe lässt sich davon am meisten mitreißen, greift manches Mal kräftig derart in die Tasten, dass die perfekte Klangbalance kurz aus den Fugen gerät. Aber das darf sein, Musik ist Leidenschaft, gerne auch mal ungebremst. Scheinbar völlig kontrolliert musiziert dagegen Annette von Hehn auf ihrer „Yfrah Neaman Stradivari". Ein glasklarer Ton und makellose Technik ist ihr Lohn, fast ein wenig zu perfekt in der Performance. Das wirkt doch etwas unterkühlt. Stefan Heinemeyer spielt da körperlich robuster, sein Cello ist in ständiger Bewegung, auf der Suche nach der bestmöglichen Interpretation und Phrasierung. Jedenfalls wird das Klaviertrio des jungen Korngold zum herausragenden Höhepunkt des Abends.


Befreiter mit Beethoven


Nach der Pause wartet noch das „Erzherzog-Trio" von Ludwig van Beethoven. Auch kein Leichtgewicht, aber im unmittelbaren Vergleich transparenter und strukturierter als die vorangegangene Musik des 20. Jahrhunderts. Es scheint, als ob die Musiker nun leichtfüßiger, befreiter agieren. Der Blickwechsel wird intensiver, im Schluss-Satz spielt man sich sogar mit verschmitztem Lächeln die musikalischen Bälle zu. Das hochkomplexe Zusammenwirken in der Kammermusik wird nun deutlich erlebbar und macht dem Publikum viel Freude. Begeisterter Applaus ist daher die einzig richtige Reaktion auf ein hochklassiges Kammermusikkonzert, das mit dem Finalsatz aus Beethovens Klaviertrio in Es-Dur in die gewünschte Verlängerung geht.


(MZ-Online am 03.03.2016)    Text der Druckausgabe (PDF)

 

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