Kritik: münchner horntrio

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Musikalische Maskeraden beim Musikverein

Mal keck, mal schwelgerisch: Das Konzert des souveränen Münchner Horntrios in Regensburg erntete begeisterten Applaus.

Von Gerhard Dietel, MZ


Regensburg. Wenn ein Horntrio angekündigt ist, könnte ein Außenstehender meinen, da würden nun drei Bläser zu gemeinsamem Fanfaren-Geschmetter ansetzen. Doch ist's anders gemeint: Wohl drängt sich das Horn als Namensgeber in den Vordergrund, aber es ist beim Musizieren zur Partnerschaft mit der Violine und dem Klavier aufgerufen.


Dass hierbei ein kammermusikalischer Trialog auf Augenhöhe entsteht, bei dem alle Beteiligten sensibel aufeinander reagieren, dafür sorgt an diesem Abend beim Regensburger Musikverein ein seit vielen Jahren eingespieltes Ensemble: das Münchner Horntrio mit Johannes Dengler (Horn), Markus Wolf (Violine) und Julian Riem (Klavier).


Romantische Reminiszenzen


Schmal ist das Repertoire für diese Trio-Besetzung, und so warten die drei Münchner Instrumentalisten zunächst mit Unbekanntem auf. Keck starten sie ihren Auftritt mit den temperamentvollen Eröffnungstakten des 1954 komponierten Trios op. 44 des Engländers Lennox Berkeley. Werk und Interpretation vermögen die Hörer zu fesseln, gerade weil Berkeleys Musik stilistisch so vielfältige Aspekte aufweist: Mal zeigt sie sich von neusachlicher Forschheit, mal neoklassizistisch angehaucht; doch scheut sie auch romantische Reminiszenzen nicht, wenn der "Lento"-Mittelsatz eine Nachtstimmung malt, bei der Johannes Denglers Horn oft sanft schwellend in das Musizieren von Geige und Klavier hineintönt. Wie ein kleiner Tribut an den Faschingssonntag wirkt dann das Variationen-Finale, dessen Thema in allerhand Maskeraden erscheint: zur signalhaften Attacke umgebildet oder in schmachtenden Walzertönen, verschattet mit gestopften, geradezu heiseren Tönen des Horns oder auch als typisches Jagdstück.


Standardwerk zum Abschluss


Zarte Miniaturen von Charles Koechlin lässt das Münchner Horntrio mit dessen gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen "Quatre petites pièces" folgen. Wie Duft aus alter Märchenzeit wirkt Koechlins Musik: voll träumerischer Stimmungen, die mehr Ahnung als Gegenwart sind, mit melodischen Ansätzen der Geige, die sich kurz entfalten, um gleich wieder zu ersterben, oder mit sehnsuchtsvoller Hornmelodik über sanft wogenden Arpeggien des Flügels.


Johannes Brahms' Opus 40, das Standardwerk für die Horntrio-Besetzung, bildet den abschließenden Höhepunkt dieses Kammermusik-Abends im Vielberth-Gebäude der Universität. In weich schwelgenden Parallelen ertönen hier zu Beginn die beiden Melodieinstrumente, getragen vom sonoren Klaviersatz Julian Riems, der gleich darauf mit locker getupften Tönen das muntere Scherzo eröffnet. Von tiefem Ernst durchdrungen ist dann das aus sparsamen, feinst aufeinander bezogenen Klanggesten aller Beteiligten entstehende "Adagio mesto", bevor das brillante Jagd-Finale unmittelbar applaustreibend wirkt.


Auch Jubelrufe mischen sich in den Beifall des Musikvereins-Publikums, der sich erst nach einem Koechlin-Da-Capo wieder besänftigt.


(MZ-Online am 08.02.2016)  Text der Druckausgabe im PDF-Format 

 

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