Kritik: Ensemble nobiles

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Foto: Christian Wolf

Wunderbares Liedertafelkonfekt serviert

Beim Musikverein Regensburg gastierte das Leipziger Ensemble Nobiles: unterhaltsam, locker und sehr ansprechend.

Von Randolf Jeschek, MZ


Regensburg. Manchmal muss man einfach Eulen nach Athen tragen, bzw. ein Männer-Vokalensemble nach Regensburg holen. Der Musikverein hat das gemacht, und er ist sehr gut damit gefahren. Im Vielberth-Gebäude der Universität präsentierte sich das Ensemble Nobiles, fünf Herren Mitte 20 aus Leipzig, alle miteinander durch die Schule des Thomanerchors gegangen: die Tenöre Paul Heller und Christian Pohlers, der Bariton Felix Hübner und die Bässe Lukas Lomtscher und Lucas Heller. Die fünf jungen Stimmen mischen sich nicht nur im Ensembleklang vorzüglich, sondern zeigen auch solistisch mit je eigenem Timbre Charakter. Zweiter Adventssonntag war's und zudem noch Nikolaustag, und kein einziges Advents- oder Weihnachtslied war zu hören, welch eine Wohltat in staaden Zeiten. Und der übliche Schnelldurchgang durch die gesamte Musikgeschichte, von Lasso bis Lennon? Gottseidank Fehlanzeige. Kein kunterbuntes Bearbeitungsmischmasch also, sondern ein klug durchdachtes, gut strukturiertes Programm, regional gefärbt, persönlich motiviert.


Der erste Teil war geistlichen Motetten des 20. und 21. Jahrhunderts vorbehalten, zum Themenkreis Lob und Besinnung, auch einige dem Ensemble gewidmete Werke waren darunter; im Mittelpunkt Poulencs "Quatre petites prières de Saint Francois d'Assise", dazu Kompositionen der Brüder Erhard (Thomaskantor) und Rudolf (Kreuzkantor) Mauersberger, ein "Cantate Domino" von Berthold Hummel, zweimal der 100. Psalm (Fredo Jung, Jerema Rawson), "Gott wohnt in einem Lichte" von Manfred Schlenker und zwei Beiträge des Ensemblemitglieds Paul Heller. Das war eine Reihe unmittelbar ansprechender Gesänge, teils schlicht homophon mit klaren Harmonien, teils erregte Polyphonie, mal mit verhaltener Leidenschaft, mal strahlend, mal mit geradezu magischen Klangwirkungen. Mit besonderer Sorgfalt und Liebe nahm man sich der Texte an, plastisch und griffig wurde ausgedeutet und geformt, dass es eine Freude war.


Ein Konzert, wie zugeschnitten auf den Musikverein


Mit Mendelssohns feierlichem "Morgengruß des thüringischen Sängerbundes" leitete man den zweiten Teil ein, der mit wunderbarem Liedertafelkonfekt gefüllt war: Geselliges, Gemütvolles, Volksliedhaftes, vom Ensemble Nobiles aus der Tiefe der Romantik souverän in die Gegenwart gehoben. Ein unterhaltsamer, locker moderierter Abend quasi frisch vom Leipziger Wirtshaustisch, nur ohne Alkohol, dafür präzise und ausgefeilt, wurde quicklebendig und mit Witz präsentiert. Sachen mit hohem Wiedererkennungswert waren das, von Mendelssohn, Schumann, Volkmann, Silcher, Brahms, Reger unter anderem, bei zweien durfte das Publikum sogar mitmachen. Wie zugeschnitten auf den Regensburger Musikverein, der ja zu Beginn seiner langen und erfolgreichen Geschichte vom Selbermusizieren geprägt war.


(MZ-Online am 08.12.2015)   Text der Druckausgabe (PDF)

 

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