Kritik: trio pascal

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Foto: Meixner

Behutsam, butterweich und luftig gespielt

Das Trio Pascal begeistert beim Musikverein Regensburg – mit einem Programm, das sich auf das 20. Jahrhundert konzentrierte.

Von Andreas Meixner, MZ


Regensburg. Dass der Musikverein beim Programm für das zweite Konzert der Saison Mut bewiesen hat, wäre sicher übertrieben. Bemerkenswert ist aber, dass sich die Werkauswahl für das junge Trio Pascal weitgehend auf Kompositionen des 20. Jahrhunderts konzentrierte. Lediglich das leichtfüßige Trio Es-Dur, op. 20 des Mozart-Zeitgenossen Jan Vanhal sorgte erstmal für eine harmonische Grundierung und Wohlfühl-Atmosphäre, bevor es mit den 1997 komponierten Klangcollagen „Verge" von Sebastian Currier (Jahrgang 1959) gleich in die Vollen ging. In sechs kurzen Sätzen stehen dynamische Grenzgänge im Vordergrund: Unter Satzbezeichnungen wie „almost too fast", oder „almost too little" spielen sich kleine virtuose Miniaturen ab, die den drei Stipendiaten des Deutschen Musikrats ein Maximum an musikalischen Gespür und technischen Können abverlangten. David Kindt bestach hier und auch im ganzen Verlauf des Abend mit einem butterweichen Ansatz an der Klarinette. Feinste Schattierungen gelangen ihm mühelos, aus dem Nichts war er in der Lage, einen Ton zart und behutsam anzusetzen, als könne er jederzeit unter Last zerbrechen. In Igor Strawinskys Suite aus „L´ Historie du soldat" wurde auch die Klasse von Johanna Pichlmair deutlich. Ihre hohe technische Souveränität und der klare Ton ihrer Guarneri-Geige kontrastierte farbenreich den Schmelz von Kindts Klarinettenspiel. So soll Kammermusik sein! Die auf russischen Märchen basierende Bühnenmusik wurde so in ihrer kompositorischen Vielfalt plastisch greifbar und leuchtete.


Vertrackter und sperriger: die Suite von Darius Milhaud


Die 4-sätzige Suite op. 157b des französischen Tonschöpfers Darius Milhaud (1892-1971) aus dem Jahr 1939 war da schon vertrackter und sperriger. Freilich immer noch tonal und in der Grundstruktur eher traditionell, gelingt dem Zuhörer die Verfolgung der Themen nicht mehr ganz so leicht. Die transparente und luftige Interpretation blieb jedoch stets spannend, was auch der Verdienst von Helge Aurich war. Sein akkurates Spiel am Flügel versteht sich nicht als Begleitinstrument zweier Solisten, sondern er musiziert selbstbewusst und gleichrangig, was der offene Flügel auch optisch zum Ausdruck brachte. Offensichtlich wurde dabei in Kauf genommen, dass das Tasteninstrument sich klanglich hin und wieder zu dominant über die Triopartner legte. Das war bei Béla Bartóks abschließenden drei „Contrasts", die er 1938 im Auftrag von Benny Goodman komponierte, jedoch kaum ein Problem. Die Themen bewegen sich als einfühlsame Stilkopien ungarischer Volksmusik tänzerisch im typischen, musikantischen Bartók-Stil. Noch einmal kam das symbiotische und intelligente Zusammenwirken der drei Ausnahmetalente zum Tragen, die doch erst seit 2013 zusammen musizieren. Es ist zu hoffen, dass das Trio Pascal auch über die Zeit der Förderung durch den Musikrats hinaus Bestand hat. Ein enormes Potential wäre sonst verschwendet.



(MZ-Online am 01.11.2015)  Text der Druckausgabe (PDF)

 

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