Kritik: signum saxophone quartet / jure goruČan

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Ein irrwitziger Parforceritt mit Ligeti

Das Signum Saxophone Quartet und Jure Goručan begeisterten beim Musikverein Regensburg. Das Publikum folgte fast atemlos.

Von Andreas Meixner, MZ


Regensburg.  Eines muss vorab gesagt werden: Mag das Signum Saxophone Quartet auch so brillant spielen, wie es das am Samstag beim Regensburger Musikverein getan hat – das Dilemma des kargen Repertoires für die Besetzung bleibt. So bestand das Programm des Abends ausschließlich aus Bearbeitungen von Werken des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.


Griegs Suite blieb seltsam blass


Eröffnet wurde das Konzert mit Edvard Griegs fünfsätziger Holberg Suite, die trotz des hochengagierten Spiels und makelloser Technik seltsam blass blieb und nicht an die originale Streicherbesetzung heranreichte. Das galt auch für das berühmte Adagio for strings op. 11 von Samuel Barber, dem einfach die Dichte und der große Bogen eines Streichorchesters fehlte. Dass das Quartett in beiden Werken zu feinen und berührenden Momenten gefunden hat, ist dabei kein Widerspruch, sondern Zeugnis einer grundlegenden, hohen Klangkultur des Ensembles.


Lupenreine Einsätze aus dem Nichts


Bei der Elegie und Polka op. 36 von Dmitri Schostakowitsch und den Sechs Bagatellen von György Ligeti stellte sich dann die Frage nach der Tauglichkeit der Arrangements nicht mehr. Da waren keine Kompromisse in der Satzbearbeitung zu hören, alles wirkte stimmig und aus einem Guss. Die Spielfreude der vier jungen Saxophonisten entfaltete sich zu einem Ereignis, Instrumente und Körper verschmolzen zu einem Ganzen. Lupenreine Einsätze aus dem Nichts und eine immense Homogenität im musikalischen Zusammenwirken ließen vergessen, wie schwierig das gerade bei Saxophonen sein kann. Ligetis Musik wurde zum irrwitzigen Parforceritt durch alle harmonischen Windungen und technischen Herausforderungen, die das Publikum fast atemlos mitverfolgte – oder es zumindest versuchte.


Das offizielle Programm endete mit Igor Strawinskys „Feuervogel". Der junge slowenische Pianist Jure Gorucan kam dabei zu Hilfe, um den großen Orchesterapparat mit zu imitieren. Die Bearbeitung glänzte als Beispiel eines gelungenen Transfers in eine kleinere Besetzung. Nichts schien an Affekten und Farben des Originals zu fehlen. Das mächtige Finale des letzten Satzes riss das Publikum mit; begeistert feierte es die jungen Musiker. Die ließen sich nicht lange um eine Zugabe bitten und bekannten sich mit wunderbar osteuropäischer Folkmusik zu ihren slowenischen Wurzeln. Das bis dahin gediegene Kammermusikkonzert endete in einer fröhlichen und ausgelassenen Straßenfestatmosphäre. Einfach herrlich!


(MZ-Online am 17.04.2016)   Text der Druckausgabe (PDF) 

 

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