Kritik: Antje weithaas             tabea zimmermann

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Weiche, wohltönende Bratschenklänge

Tabea Zimmermann und Antje Weithaas eröffneten die Saison beim Musikverein Regensburg. Höhepunkt waren Madrigale von Martinu.

Von Claudia Böckel, MZ


Regensburg. .Das Saison-Opening des Musikvereins Regensburg im Vielberth-Gebäude der Regensburger Universität geriet zum vollen Erfolg. Nicht nur ein volles Auditorium und viele neue Abonnenten galt es zu feiern, sondern auch und vor allem die beiden Musikerinnen Antje Weithaas und Tabea Zimmermann.


Die beiden Instrumentalistinnen spielen normalerweise zusammen im Arcanto-Streichquartett. Diesmal waren sie quasi als halbes Quartett in Regensburg angereist, als Duo mit Violine und Viola, mit einem höchst abwechslungsreichen Programm. Natürlich durfte hier Mozart nicht fehlen, der seine beiden Duos schrieb, um seinem Kollegen Michael Haydn aus der Patsche zu helfen: Michael Haydn sollte sechs Duette beim Fürsterzbischof in Salzburg abliefern, hatte aber erst vier fertig, als Mozart ihm zur Seite sprang.


Sechs bezaubernde Miniaturen


Anspruchsvolle, fein ausgearbeitete Musik ist das, effektvoll vorgetragen schon der erste Satz, innig ausgespielt das Adagio, halb streng, halb tänzerisch das abschließende Rondeau. Die fulminante Bratschistin Tabea Zimmermann, auf allen Bühnen der Welt zu Hause, entwickelte unglaublich wohltönende Klänge auf ihrer Bratsche, rund und weich, von bezaubernder Klarheit.


Antje Weithaas war eine gute Partnerin, kam aber klanglich gerade bei der Musik von Mozart vergleichsweise spitz rüber. Auch beim großen Duo op.13 von Louis Spohr spielte Tabea Zimmermann abgeklärt und innig, Antje Weithaas eher vordergründig. Bela Bartoks 44 Duos für zwei Violinen hatten sich die Musikerinnen passend gemacht für Violine und Viola; sie gestalteten sechs bezaubernde Miniaturen daraus, mal zupackend, mal introvertiert, mal höchst agil, dann wieder prätentiös.


Den Höhepunkt des Konzerts bildeten aber Bohuslav Martinus "Drei Madrigale". Sie entstanden während des amerikanischen Exils des tschechischen Komponisten und erreichen durch Doppelgriffspiel, Tremoli und andere Klangeffekte eine unglaubliche Klangfülle. Den Mittelsatz verwandelten die beiden Musikerinnen in Klangmagie, mit beeindruckenden Oktavpassagen. Die Ecksätze nahm das Duo kraftvoll; es spielte sehr reine Akkorde, so dass der Klang nochmal wie mit einem Verstärker aufging. Bei diesen faszinierenden Stücken mit dem auf die Vokalpolyphonie rekurrierenden Titel mischten sich der sonore Violaklang und der hell timbrierte, leicht nervöse Geigenklang aufs Beste, hier passte auch Weithaas' stilistischer Zugriff genau zum Stück.

(MZ-Online am 04.10.2015)  Text der Druckausgabe (PDF)

 

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