Kritik: fauré Quartett

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 Vorbemerkung: In der "Mittelbayerischen Zeitung" ist keine Kritik des Konzerts vom 14. Januar erschienen. Das Fauré-Quartett hat jedoch am Tag darauf in Tettnang das gleiche Programm geboten, und was die "Schwäbische Zeitung" in ihrer Ausgabe vom 16. Januar schreibt, entspricht sehr gut dem Eindruck, den der Regensburger Auftritt hinterlassen hat.


Ungewöhnliches Erlebnis: das Konzert mit dem Fauré Quartett im Rittersaal. Es spielen (von links) Dirk Mommertz, Klavier, Erika Geldsetzer, Geige, Sascha Frömbling, Bratsche, Konstantin Heidrich, Violoncello.
Ungewöhnliches Erlebnis: das Konzert mit dem Fauré Quartett im Rittersaal. Es spielen (von links) Dirk Mommertz, Klavier, Erika Geldsetzer, Geige, Sascha Frömbling, Bratsche, Konstantin Heidrich, Violoncello.
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Fauré Quartett erntet euphorischen Applaus

Weltklassemusiker eröffnen neue Reihe der Schlosskonzerte in Tettnang
 
Von Christel Voith


Tettnang sz. Musikliebhaber in Tettnang sind am Sonntag in den Genuss gekommen, das weltweit renommierte Fauré Quartett kurz vor dessen Tournee in den USA zu erleben - übrigens nicht zum ersten Mal, denn auch im Januar 2004 haben die Musiker im Rittersaal gespielt. Bereits der Auftakt mit Mahlers unvollendet gebliebenem Klavierquartettsatz a-Moll machte mit atmosphärischer Dichte deutlich, dass ein ungewöhnliches Hörerlebnis wartete. Man lauschte der hohen Interpretationskunst, den einzelnen Instrumenten und mehr noch dem glückhaften Miteinander, das in dramatischen Steigerungen und extremer Verlangsamung jede Regung nachempfand. Auf schicksalshafte Trauer folgte ein Aufblühen neuen Lebens, doch die tiefe Sehnsucht blieb, bis das Stück abbrach, im Unbestimmten endete.


Fast schien die optimistische Stimmung in Gabriel Faurés Klavierquartett Nr. 1 c-Moll op. 15 auch für die Musiker eine Erlösung zu sein. Mit hell-dunkler Stimmungsmalerei begann das Allegro, jedes Instrument hatte im komplexen Klangerlebnis eine eigenständige Stimme. Orchestrale Fülle gewann das Spiel, dann wieder war die Musik sanft, klang leise schwingend aus. Fröhliches Pizzicato und sprudelnde Klavierläufe eröffneten das Scherzo, das zum flirrenden Tanz wurde. Schwermütig setzte das Adagio ein, tiefe Trauer ließ den Ton schon fast beim Führen des Bogens ersterben. Schon schien ein Lichtschimmer auf, da zeigte das Finale wiedergekehrte Lebenskraft. Stürmisch drängte das Allegro molto voran, das in einem grandios sprühenden Finale endete.


Tief beeindruckt zeigte sich in der Pause auch der Geiger und KBO-Konzertmeister Michael Wieder: "Das ist einfach phänomenal, diese ungeheure Homogenität, dieses Spiel aus einem Guss."


Noch einmal war danach in Brahms 50-minütigem Klavierquartett A-Dur op. 26, einem Werk von überschwänglicher Leidenschaft und sanfter Schwärmerei, die starke Suggestivkraft des Ensembles zu erleben. Lustvoll trug das Spielerquartett mit Erika Geldsetzer (Geige), Sascha Frömbling (Bratsche), Konstantin Heidrich (Violoncello) und Dirk Mommertz (Klavier) den melodienreichen ersten Satz vor. Gefühlvoll malten sie die "clair-de-lune"-Stimmung des Adagios. Cello und Klavier evozierten eine Dunkelheit ohne Schrecken, die romantische Gefühle weckt, zur Liebe einlädt. Zu traumverlorenen Streicherpassagen trat das Klavier, eine neue süße Melodie stieg auf und entschwebte wieder. Im musikalischen Spaß des Scherzos gaben die Musiker die Motive von Instrument zu Instrument weiter - auch wenn man nicht alle eingestreuten Zitate erkennen konnte, hatte man seine Freude an den stets wechselnden unbeschwerten Motiven. Immer erhitzter trieben die Musiker das Feuer der Zigeunermusik im Finale voran. Mit ihrer Bearbeitung des "Balletts der Küchlein in ihren Eierschalen" aus Mussorgskis Klavierzyklus "Bilder einer Ausstellung" dankten die Musiker schmunzelnd für den euphorischen Applaus.

("Schwäbische Zeitung" am 16.01.2017)  

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