Kritik: goldmund Quartett

← zurück zur Übersicht

 


Eine Prise jugendlicher Überheblichkeit

Die Ausnahmetalente des Goldmund Quartetts gastierten beim Musikverein Regensburg. Das Publikum zeigte sich begeistert.

Von Andreas Meixner, MZ


Regensburg. Allesamt sind es Ausnahmetalente beim Münchner Goldmund Quartett, die sich von Kindheit an völlig der Musik verschrieben haben. Sie setzen sich dem Druck der Wettbewerbe aus und erreichten schon in jungen Jahren einen schwindelerregenden Reifegrad. Am vergangenen Sonntag spielten die Künstler der Bundesauswahl Konzerte junger Künstler des deutschen Musikrats beim Musikverein Regensburg.


Es ist wunderbar für die Kulturlandschaft, wenn die Talente sich aus eigenem Antrieb entwickeln dürfen, ohne den fragwürdigen Ehrgeiz Dritter. Das Goldmund Quartett aus München ist ein solcher Fall. Überhäuft mit Preisen und Stipendien konzertiert das Streichensemble mittlerweile auf der ganzen Welt. Vorneweg überzeugt Florian Schötz an der 1. Violine. Sein Spiel und Impuls sind prägend für die Gesamtgestalt des Quartetts.


Das zeigte sich schon anfangs im Quartettsatz c-Moll von Franz Schubert. Die tragende Körpersprache von Schötz treibt die Interpretation voran, gibt ihr Charakter und die notwendigen Nuancen. Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory (Viola) und Raphael Paratore (Violoncello) sind dagegen keinesfalls untergeordnete Sparring-Partner. Jeder arbeitet sein ganz individuelles Profil heraus.


So entwickelte sich über die Strecke des Konzertes ein homogenes Zusammenspiel, das nur in wenigen Momenten an kleinen Ungenauigkeiten litt, wie etwa die Pizzicato-Stellen in Schostakowitschs Streichquartett Es-Dur. Ansonsten konnte man nur darüber staunen, wie klar und differenziert man dieser anspruchsvollen Satzfolge begegnete. Aus der Feder der serbischen Komponistin Ana Sokolovic (geb. 1968) stammte nach der Pause die dreisätzige Charakterstudie "Commedia dell´arte III". Mit typisch zeitgenössischen Effekten und diffizilen Rhythmen werden die typischen Figuren des italienischen Stegreiftheaters nachgezeichnet - eine unterhaltsame, aber auch rechte bemühte Erzählweise, die jedoch das Quartett als technisch versierte Könner der neuen Musik zeigte.


Beethovens Streichquartett C-Dur bildete das furiose Finale. Auch deshalb, weil die vier Streicher dort am deutlichsten aufzublühen schienen. Das Goldmund Quartett wurde seinem Ruf als einer der bedeutendsten Nachwuchsformationen im vollen Umfang gerecht. Als wären sie alte Hasen des Geschäfts, spielten sie sich mit großer Leichtigkeit durch die fünf Sätze der Partitur, glänzten mit feinstufiger Dynamik und einer winzigen Prise jugendlicher Überheblichkeit. Das Publikum zeigte sich sichtlich begeistert und erklatschte sich als Zugabe den 2. Satz aus Haydns erstem Streichquartett.

(MZ-Online am 12.12.2016)  Text der Druckausgabe (PDF)

← zurück zur Übersicht