Kritik: kammersolisten xxi


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Ungewöhnliches Erlebnis: das Konzert mit dem Fauré Quartett im Rittersaal. Es spielen (von links) Dirk Mommertz, Klavier, Erika Geldsetzer, Geige, Sascha Frömbling, Bratsche, Konstantin Heidrich, Violoncello.




Sieben Musiker in gepflegter Konversation

Die "Kammersolisten XXI" bekommen im Musikverein viel Beifall.
 
Von Gerhard Dietel, MZ


Regensburg. Hat man den Cellisten Gustav Rivinius nicht erst vor kurzem am gleichen Ort beim Streichsextett-Abend des Regensburger Musikvereins erlebt? Doch das ist typisch für die "Kammersolisten XXI": In dieser Septettformation haben sich Instrumentalisten zusammengefunden, die Erfahrung aus anderen Ensembles mitbringen: neben Rivinius sind dies Isabelle van Keulen (Violine), Elisabeth Kufferath (Viola), Rüdiger Ludwig (Kontrabass), Til Renner (Klarinette), Jens Plücker (Horn) und Bence Boginyi (Fagott), die dem Musikvereinspublikum im Saal des Vielberth-Gebäudes der Universität ein vergnügliches Kammerkonzert-Erlebnis bereiten.


In verkleinerter Besetzung musizieren sie zunächst "Till Eulenspiegel einmal anders", das heißt die Sinfonische Dichtung von Richard Strauss in der Quintettfassung Franz Hasenöhrls. Plastischer als in der originalen Orchesterversion tritt hier die Gestalt des Schalksnarren hervor. Mit viel Spiellaune gestalten ihn die Musizierenden springend und kobolzend, zumal in den Bläserstimmen kichernd und keckernd. Dazwischen gibt sich Till auch einmal bieder oder - in schmalzigen Tönen - verliebt. Dass das auf die Dauer nicht gut geht, weiß man. In drohenden Klängen wird das Todesurteil verkündet und vollstreckt. "Es war einmal ein Schelm" konstatiert der Epilog in ruhigem Legendenton, bevor der Geist des Verstorbenen eine letzte Kapriole schlägt. Es folgt das 1828 Vollendete Septett des schwedischen Komponisten Franz Berwald, ein wunderbar farbig instrumentiertes, viel zu wenig bekanntes Stuck Musik, das im Kopfsatz mit seiner lyrischen Grundhaltung und seinen schweifenden Harmonien in die Nähe der Musiksprache Franz Schuberts gelangt. Originell wird die schwelgerische Melodik des langsamen Satzes von einem eingebetteten Scherzo-Teil unterbrochen, und auch das Finale überrascht: Humoristisch beginnt es mit repetierten Bläsertönen und kecken Streichereinwürfen, nimmt dann aber dramatisch-sinfonische Züge an. Die Anregung, sein Septett zu komponieren, bezog Franz Berwald vom Modellwerk der Gattung: Ludwig ve Beethovens Septett Op. 20, mit welchem die "Kammersolisten XXI" ihr Programm abrunden. Aus dem 21. Jahrhundert, nach dem sie sich benannt haben, blicken sie ans Ende des 18. zurück. Denn in dieser Septett-Partitur ist noch nicht viel vom späteren Bekenntnis-Musiker Beethoven zu spüren: der Tonfall der Serenadenmusik herrscht vor, und die sieben Musiker betreiben miteinander gepflegte Konversation, wobei Beethoven jedem die Chance gibt, sich zu profilieren. Viel Beifall danach und Beethovens Scherzo-Anfang als Zugabe: gespielt mit einem Schuss Übermut.

(MZ am 04.04.2017) Text der Druckausgabe (PDF)

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