Kritik: christina landshamer, gerold huber

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Foto: Lex, MZ

Ein perfekter Liederabend

Sopranistin Christina Landshamer und Pianist Gerold Huber verzauberten das Publikum mit ihrer Darbietung.

Von Andreas Meixner, MZ


Regensburg. Das Kunstlied - das ist die eigentliche Königsdisziplin des klassischen Gesangs. Selten ist man als Interpret nackter, verletzlicher und so gänzlich reduziert auf die wesentlichen Grundelemente des musikalischen Ausdrucks. Mit Christina Landshamer und Gerold Huber haben sich zwei gefunden, die ganz in dieser Kunstform aufzugehen scheinen. Symbiotisch in der Gesamtgestaltung, und doch ganz individuell in der jeweiligen Rolle der Sängerin und des Liedbegleiters.


Der Konzertabend am Sonntag beim Musikverein Regensburg bewies einmal mehr, wieviel Mühe und künstlerische Aufopferung eine hochklassige Darbietung der Lieder von Schumann, Brahms und zum Ende von Viktor Ullmann fordert, um der Intimität, aber auch der emotionalen Wucht der Musik gerecht zu werden. Christina Landshamer wirkte dabei fast mühelos schwebend in der makellosen Stimmführung, wechselte wohl dosiert die Farben zwischen den einzelnen Werken. Sie fand sich spätestens bei Schumanns Liedern und Gesängen aus Goethes "Wilhelm Meister" und dem nachfolgenden Zyklus "Sechs Gedichte und Requiem" in dem nüchternen Raum des Vielberth-Gebäudes zurecht und begann Lied um Lied mehr aufzublühen.


Die Textbehandlung und Phrasierungsgestaltung blieben stets in einer klaren Distanz zu den schwermütigen Texten. Sie ließ es nicht zu, dass die Tristesse auch noch ihre Stimme umfing, verstärkte mit feinsten Nuancen das Spannungsfeld von Wort und Musik. Das alles grundierte Gerold Huber am Flügel nicht etwa als reiner Begleiter, sondern saugte förmlich die Stimmung auf, verstärkte sie mit Inbrunst und bereitet mit einem unglaublichen Gespür für Dynamik und Dramatik den Boden. Er ist es, der kraftvoll und mit hohem Körpereinsatz die Überhöhung erzwingt, aber auch dann ganz leise wird, mit völlig entrückten Schlussakkorden - einfach perfekt und auf den winzigen, genau richtigen Moment gesetzt, fast hingehaucht.


Nicht einen Moment ist da die Routine eines Weltklassepianisten zu spüren, sondern die reine Liebe und Leidenschaft zum unmittelbaren Moment in der Musik. Kein Wunder, dass Christina Landshamer auf dieser Basis die kleine Gruppe von Brahmsliedern noch intensiver auslotete, fast ganz in ihnen aufging. Das Liebesleid war jedoch noch nicht vorbei: In Viktor Ullmanns 1941 komponierten "Six Sonnets de Louise Labé" durchleben die beiden Ausnahmekünstler in der plastischen Tonsprache des 20. Jahrhunderts noch einmal alle Höhen und Tiefen der Liebe.


Der verhaltene Schlusspunkt des Abends war bewusst konträr und wohltuend unspektakulär. Was das Publikum jedoch nicht daran hinderte, das Weltklassegespann Landshamer-Huber langanhaltend und frenetisch zu feiern.

(MZ-Online am 15.11.2016) Text der Druckausgabe (PDF)

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