Kritik: mandelring Quartett mit roland glassl und gustav rivinius


← zurück zur Übersicht
Ungewöhnliches Erlebnis: das Konzert mit dem Fauré Quartett im Rittersaal. Es spielen (von links) Dirk Mommertz, Klavier, Erika Geldsetzer, Geige, Sascha Frömbling, Bratsche, Konstantin Heidrich, Violoncello.

Bravo-Rufe für bewundernswertes Sextett

Üppige spätromantische Klangflächen beim Konzert des Musikvereins im Vielberth-Gebäude der Universität.
 
Von Gerhard Dietel, MZ


Regensburg. Darf's etwas mehr sein? Das war die Devise beim jüngsten Konzert des Musikvereins im Vielberth-Gebäude der Universität. Denn nicht nur das renommierte Mandelring-Quartett mit Sebastian und Nanette Schmidt (Violinen), Andreas Willwohl (Viola) und Bernhard Schmidt (Cello) musizierte an diesem Abend, ergänzend traten Ex- Mitglied Roland Glassl (Viola) und Gustav Rivinius (Cello) hinzu und vervollständigten das Ensemble zum bewundernswert miteinander harmonierenden Streichsextett, das schon zur Pause und erst recht am Schluss Applaus wie Bravorufe des Publikums im voll besetzten Saal auf sich zog.


Mit dem schwelgerischen Sextett aus der Oper „Capriccio" von Richard Strauss eröffneten die sechs Musiker ihr Konzert. Üppige spätromantische Klangflächen mit eigenwilligen harmonischen Seitwärtsbewegungen entfalteten sie, aus denen sich, durch alle Stimmen wandernd, kleine charakteristische Bewegungsmotive heraushoben. Nach erregten Tremoloschauern und Rezitativen im Mittelteil kehrte bald wieder Ruhe ein, in der die Musik voll Wohlbehagen klangsatt ausatmen durfte.


Der Bühnenmusik von Richard Strauss, die sich als Kammermusik maskiert, folgte die echte in Gestalt des G-Dur-Sextetts op. 36 von Johannes Brahms. Schwer zu sagen, was man hier am meisten bewundern sollte: die technische Ausgebufftheit der sechs Musiker, die vertrackten polyrhythmischen Strukturen nichts schuldig blieben und über die Einzelstimmen hinwegeilende Bewegungszüge bruchlos ertönen ließen? Oder doch vor allem die intensive Interpretation voller Herzblut, mit der sie die vielfältigen Welten der Partitur erschlossen? Nach Brahms' dialogischer Kunst ging es bei Tschaikowskys Sextett „Souvenirs de Florence" wieder flächiger zu. Die Intensität des Musizierens steigerte sich hier nochmals zum opulenten Vollklang, der schon fast die Dimensionen eines Streichorchesters erreichte und die Kammermusik hin zur Sinfonik weitete.


Doch auch ganz zarte Töne gab es dazwischen zu hören: im „Adagio cantabile", wo die Violine über Pizzicato-Grundierung einen verhaltenen Serenaden-Gesang anstimmte, der dann in die übrigen Instrumente wanderte. An Zugabestücken bietet die Streichsextett- Literatur offenbar wenig, doch erklatschte sich das begeisterte Musikvereins-Publikum schließlich noch eine Teil-Wiederholung der Capriccio-Klänge von Strauss.

(MZ-Online am 13.02.2017) Text der Druckausgabe (PDF)

← zurück zur Übersicht