Kritik: van baerle trio

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Kultiviert gespielte Moderne

Das Van Baerle Trio überzeugte beim Musikverein mit Werken von Hans Werner Henze und Dimitri Schostakowitsch.

Von Ulrich Alberts, MZ


Regensburg. Das aus Amsterdam stammende Van Baerle Trio in der Besetzung mit Maria Milstein (Violine), Gideon den Herder (Violoncello) und dem Pianisten Hannes Minnaar konnte beim zweiten Saisonkonzert des Musikvereins Regensburg vor allem durch die mit kultivierter Souveränität vorgetragenen Stücke von Hans Werner Henzes Kammersonate sowie den ersten beiden Klaviertrios von Dmitri Schostakowitsch die Zuhörer für sich einnehmen. Zum Konzertbeginn erklang mit dem G-Dur-Klaviertrio op. 1 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven ein typisches Jugendwerk des Komponisten. Auch wenn jeder der drei Musiker sein Instrument virtuos beherrscht, so dominierte das durchwegs im Forte gehaltene Spiel des Pianisten weitgehend ihre Interpretation, bei der die instrumentale Beherrschung und das Zusammenspiel kaum eine Rolle spielten.


Ganz anders war es um die Darstellung von Henzes früher Kammersonate aus dem Jahre 1948 bestellt. Die in atonaler Reihentechnik geschriebenen kurzen Sätze überzeugten durch ihren musikalischen Gehalt. Der erste Satz (Allegro assai) gibt sich tänzerisch, steigert sich aber bis zur Wildheit. Das nachfolgende Dolce hat einen durchwegs lyrischen Charakter, während das Lento durch rhythmisch drängendes Streicher-Unisono auffällt. Einem sich in der Aussage verspielt gebendem Allegretto folgt ein Epilogo, bei dem ein brillanter Ideenfluss sich zu bremsen scheint und den Satz in einem sanften Piano ausklingen lässt. Das Fließenlassen, das Reagieren auf expressive Nuancen und Zwischentöne prägte hier das Spiel der Musiker.


Nach der Pause folgten die beiden Trios von Schostakowitsch, die als sein Grundpfeiler der Klaviertrio-Literatur gelten. Schon das einsätzige Klaviertrio op. 8 aus dem Jahre 1923 zeigt beeindruckend die kompositorische Finesse wie die jugendliche Kraftentfaltung. Bewundernswert war die essenzielle Geschlossenheit mit der das Van Baerle Trio jede einzelne Phrase sinnstiftend in die Architektur des Werkes einbaute, so dass sich alles organisch ineinanderfügte.


Das zweite Klaviertrio op. 67, 1944 geschrieben, gehört in die mittlere Schaffensperiode von Schostakowitsch. Nach dem Beginn mit fahlen Klängen der beiden Streicher setzte das Klavier mit Akkorden in tiefster Lage ein und sorgte somit für die Bekräftigung des tristen Charakters dieses Satzes. Im weiteren Verlauf des Stückes betonten die Spieler das zwischen den Ausdruckselementen Vermittelnde und brachten auch den bissigen und grimmigen Humor im zweiten Satz zur Geltung. Das nachfolgende Largo war gekennzeichnet durch elegische und dunkle Farben. Stets durchhörbar und plastisch gestaltet war der Schlusssatz, bei dem die Interpreten viel Sinn für die gegensätzlichen Spannungsverläufe offenbarten. Den heftig applaudierenden Zuhörern spendierten die Musiker in der Zugabe das Adagio aus Beethovens Opus 11.

(MZ-Online am 16.10.2016) Text der Druckausgabe (PDF)

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